Audio-Video-Collage zu Gedichten von Ezra Pound

2007, Videoinstallation, Digital Video, 16:9, Farbe, Ton, 06:55 min

Text zur Arbeit von Hermine Wehr

Die innere Erfahrung des Scheiterns der Identität als Narbe von Erzählung und Theorie, die zuletzt auf die Spur der Verletztheit eines ursprünglichen Bildes zurückführt, ist untrennbar von der Entstehung der Poesie. (Hans Ulrich Reck)

Offensichtlich liegen dem Dialog zwischen bewegtem Bild und Lyrik, den Vera Müller in ihrer Arbeit Audio-Video-Collage zu Gedichten von Ezra Pound initiiert, zwei Bewegungen zu Grunde. Der Verlauf der audio- visuellen Projektion erlaubt dem Betrachter aufgrund passagenweiser Dunkelheit den Blick in sein eigenes Inneres. Poesie und bewegtes Bild werden so zusammengeführt, dass insofern ein kontemplatives Moment entsteht, als Außen- und Innenwelt verschmelzen.

Nach dem Scheitern des Gefühls von Unmittelbarkeit, wie Hans Ulrich Reck die Narbe von Theorie und Erzählung nennt, entführt die Arbeit Vera Müllers den Betrachter in das ursprüngliche Bild zurück. Auf formaler Ebene verdichten sich gelesene, wie gesprochene Sprache, sowie die poetisch anmutenden Bilder Vera Müllers zu einem intermedialen Ganzen, das dem sinnlichen Empfinden in der Wirklichkeit sehr nahe kommt.

Die Widerspieglung der Gedichte von Ezra Pound: Doria, Mädchen, Das Bild und Apparuit, ist als romantischer Reflex zu verstehen, der einen konzentrierten mentalen Zustand erzeugt. In lautmalerischer Artikulation und bewegten Bildern verführt Vera Müllers Projektion in eine Welt, welche die Grenzen von Raum und Zeit zu sprengen scheint, eine existentielle Welt ohne innere Brüche.