Ich arbeite mit den Medien Malerei / Grafik und Video / Film. Diese künstlerischen Ausdrucksformen befinden sich im Austausch miteinander, wobei ich auch mein filmisches Schaffen im Bereich der Bildenden Kunst ansiedele. Serielle, malerisch-grafische Arbeiten und filmische Arbeiten alternieren.

In meinen Papierarbeiten ist der Leitspruch Make it new programmatisch. Während ich für die Serien Blumen und Raumschiffe und Make it new Formen aus älteren Papierarbeiten schneide und zu einer neuen Ordnung zusammenfüge, sind bei den Darstellungen der Mänaden, des Dionysos und des Eros in den mehrteiligen Arbeiten Mänadenperformance I und II sowie bei den Aquarellen Cycladic Eros griechische Vasenmalereien und Mysterienkulte bedeutsam. Das griechische Wort Φιλοζωία wird mit Lebensfreude oder Liebe zum Leben übersetzt und betitelt zwei weitere Serie von Papierarbeiten. Weder Bildinhalte noch Referenzen werden näher benannt, sondern sollen dem Auge des Betrachters überlassen werden. So wünsche ich mir, dass sich die Geheimnisse des Mythos Amor und Psyche beim Sehen dieser Arbeiten genauso intensiv erfahren lassen, wie für mich selbst während ihrer Entstehung, sodass Eros‘ Psyche wieder symbolhaft lebendig wird – in Gestalt ihrer beider Tochter Voluptas, der Lust.

2012 lernte ich die Berliner Rapperin Mc Josh (22) kennen. Die filmische Auseinandersetzung mit ihr und ihrem Umfeld ermöglichte mir grundlegende kritische Reflexionen zu Liebe, Identität und anthropologischen Konstanten und fügte meinem Leitmotiv und Vorhaben, den Mythos Amor und Psyche vollständig in einen zeitgenössischen Spielfilm zu übertragen, neue Facetten hinzu. Bei der Arbeit mit Mc Josh und einigen ihrer Freunde entstanden zwei Arbeiten mit unterschiedlichen Schwerpunkten: die Kurzdokumentation änder‘ dich nicht, weil du anders bist und der Musikfilm 1 + 1 = 1.

Meinen Abschlussfilm Amor & Psyche (Master-Studiengang Film und digitales Kino bei Prof. Wim Wenders und Prof. Dr. Michaela Ott, HFBK Hamburg) stellte ich 2012 fertig. Dieser poetisch-realistische Kurzfilm überträgt den ersten Akt des antiken Mythos und das Geschehen zwischen dem Liebesgott Amor und der schönen, menschlichen Psyche in die Gegenwart und transferiert die sinnlich-haptische Erfahrung meiner malerisch-grafischen Arbeit in das Medium Film.

Performatives Schaffen bildet neben dem malerisch-grafischen und dem filmischen Schaffen eine weitere Säule meiner Arbeit. So verbindet sich in Work It, Eros vs. Anteros und Autopoesia die Malerei mit Musik, Performance und Tanz in Form von Videoarbeiten.
Meine Kindheit und Jugend waren stark geprägt vom klassischen Ballett. So entstand 2006 meine erste Videoarbeit Work It aus der subjektiv-dokumentarischen Videoaufnahme einer Mal- und Tanzperformance. Darin verbinde ich die Körperlichkeit des tänzerischen Aktes mit der Intensität einer großformatigen, malerischen Geste. Eros, der leidenschaftlich-schöpferische Impuls, wird hier in unmittelbarer malerisch-abstrakter und musikalischer Art und Weise sinnlich erfahrbar.

Vera Müller